Zwei New Yorker besuchten die Klasse 10d

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Als am 11. September 2001 in New York zwei Flugzeuge die zwei Türme des World Trade Centers zum Einsturz brachten, waren die Mädchen der Klasse 10d gerade mal fünf Jahre alt. Die Tragweite der Terrorangriffe, die damals fast 3000 Menschenleben forderten, war für sie bisher schwer zu begreifen – bis George Farinacci und Americo Izzo im September ihr Klassenzimmer betraten.

 

Farinacci ist seit 1991 Feuerwehrmann in New York. Er wollte gerade nach dem Schichtwechsel von der Arbeit nach Hause gehen, als damals das erste Flugzeug um 8:46 New Yorker Zeit in den nördlichen der beiden Türme flog. Izzo ist Schmuckdesigner in der Metropole. Dass es sich dabei um einen Terrorangriff handelte, war zu diesem Zeitpunkt keinem der beiden New Yorker klar.

Normalerweise spricht Farinacci sehr selten über diesen Tag, der  sein Leben und das vieler seiner Mitbürger verändert hatte. Zu tief sitzt heute noch der Schmerz über die verlorenen Kameraden und das Unglück, das ihrer Stadt widerfahren war.

Es war also eine große Ausnahme, dass die beiden Männer im Klassenzimmer der 10d 90 Minuten den Mädchen auf alle Fragen Rede und Antwort standen. “We don’t really do a lot of public speaking like this”, erklärte Farinacci den Mädchen.

Die Fragen der Mädchen bezogen sich hauptsächlich auf das Leben in New York, die berufliche Ausbildung der beiden Gäste, ihre Familien (“What? They are not married?”) und deren italienischen Wurzeln. Die Ereignisse des 11. September 2001  waren ein Schwerpunkt der Doppelstunde und die letzten 30 Minuten nutzte George Farinacci, um ihnen einen kleinen Ausschnitt aus seiner Fotosammlung zu zeigen, die mittlerweile in den National Archives in Washington D.C. aufbewahrt wird. Nur fünf Tage nach den Anschlägen hatte er sich zum Ground Zero begeben und mit seiner Spiegelreflexkamera Eindrücke gesammelt: Ein Truck der Feuerwache von Farinaccis Bruder, der von den einstürzenden Trümmern der Twin Towers fast zur Unkenntlichkeit deformiert wurde. Ein erschöpfter Feuerwehrmann, der sich auf einem Caféstuhl mitten auf der staubbedeckten Straße ausruht. Berge von Trümmern, die nur mit Leitern erklommen werden konnten.

Die beiden New Yorker lobten die Disziplin der Schülerinnen und zeigten sich sehr beeindruckt von deren Englischkenntnissen. Nur an einer Stelle glaubten die Schülerinnen, sie hätten sich verhört: “ I love the German bike lanes” lachte Farinacci, der als begeisteter Radfahrer unsere Fahrradwege bei einer Tour von Regensburg nach Barcelona vor zwei Jahren sehr zu schätzen lernte. “Riding your bike in Manhattan can be really dangerous!”

 

 George Farinacci und Americo Izzo im Gespräche mit einer Journalistin der MZ