Mödlareuth - Arnold Friedrich erzählte vom Leben in einem geteilten Dorf

Zugriffe: 2381

Wie lebte es sich in einem kleinen Dorf, das durch eine Mauer geteilt wurde?

Arnold Friedrich, ein Zeitzeuge der deutschen Teilung und Wiedervereinigung, konnte den gut 200 Zehntklässlerinnen der MRS, die seinem Vortrag gespannt lauschten, diese Frage beantworten.

Etwa 15 Kilometer nördlich von Hof in Oberfranken liegt das kleine Dorf Mödlareuth. Dieses gehörte seit dem Ende des Ersten Weltkrieges je zur Hälfte zu den Freistaaten Bayern und Thüringen. Nach dem Zeiten Weltkrieg wurde durch die Alliierten die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen festgelegt und die amerikanisch-sowjetische Demarkationslinie (Grenzlinie) zog sich mitten durch das kleine Dorf. Mit Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 gehörte der Ostteil Mödlareuths zur DDR, der Westteil lag auf dem Gebiet der BRD. In der Folgezeit wurde, wie auch in Berlin, quer durch den Ort eine Betonmauer errichtet, die verwandtschaftliche und freundschaftliche Beziehungen immer mehr abschnitt. Die Bürger auf der DDR-Seite durften ihren bayerischen Nachbarn nicht einmal mehr zuwinken, berichtete Arnold Friedrich. Des Weiteren erzählte der Zeitzeuge von zwei Brüdern, deren Häuser durch die Mauer getrennt wurden. Nur mit einer  Sondergenehmigung durfte der Bürger aus Ost-Mödlareuth seinen Bruder aus West-Mödlareuth ab und zu besuchen. Umgekehrt war dies jedoch nicht möglich.

 

Als Arnold Friedrich am 9. November 1989 im Fernsehen vom Mauerfall in Berlin hörte, fuhr er – zu diesem Zeitpunkt Bürgermeister – zur Mauer in Mödlareuth. „Durch die Lichtsperranlage war alles hell erleuchtet. Und es herrschte absolute Stille“, erinnert sich Arnold Friedrich. „Auch in den nächsten Tagen hat sich nichts getan.“ „Ich habe immer gesagt: Irgendwann will ich es noch erleben, auf der Thüringer Seite ein Bier trinken zu können“, erzählt er weiter. Anfang Dezember 1989 ging dieser Wunsch mit der Öffnung des Grenzüberganges für Fußgänger in Erfüllung. Die Bürger beider Ortsteile, die zuerst gemeinsam die Schulbank gedrückt haben und dann für viele Jahre getrennt waren, fielen sich in die Arme.

 

Als am 17. Juni 1990 eine Gedenkveranstaltung zum DDR-Volksaufstand von 1953 stattfand, ließ Arnold Friedrich zusammen mit seinem Ost-Amtskollegen Herbert Hammerschmidt von einem befreundeten Bauunternehmer mit dem Bagger die Mauer in Mödlareuth eigenmächtig einreißen. Diese spontane und nicht mit den Behörden und Sicherheitskräften abgesprochene Aktion führte dazu, dass Arnold Friedrich und der Filmemacher Arndt Schaffner beschlossen, die Geschichte Mödlareuths dokumentarisch festzuhalten. So begannen sie im Herbst 1990, das Deutsch-deutsche Museum aufzubauen, das jährlich über 80.000 Besucher zählt.

 

Am Ende seines Besuches nahm sich Arnold Friedrich viel Zeit, um die zahlreichen Fragen der Schülerinnen an der MRS zu beantworten. Wir bedanken uns ganz herzlich für den spannenden Vortrag und für die Einblicke, die er uns in die Zeit der deutschen Teilung ermöglicht hat.